Konzept und Ziele zum Zeitpunkt der Antragstellung
Im Rahmen des Projektes „Encuentro - Stark in Gesellschaft“ bietet der Treibhaus e.V. unterschiedliche Weiterbildungsmöglichkeiten für Multiplikator_innen der Interkulturellen Arbeit/ Migrationsarbeit an. Ab 2012 wird es jährlich einen Fachtag mit diversen Inhalten zu beiden Themenkomplexen geben. Die Angebote werden dabei von erfahrenen Referent_innen transferiert.

Bei beiden Angebotsformaten (Fachtag und Seminare) soll versucht werden, mit anderen Bildungsträgern in der Region, die ähnlich thematisch arbeiten, zu kooperieren. Dadurch können vorhandene Ressourcen besser genutzt und die Angebote zielgerichteter gestreut und abgestimmt werden.

1) Fachtagungen

In den Jahren 2012 und 2013 organisiert das Projekt Encuentro jedes Jahr einen größeren Fachtag für alle Multiplikator_innen wie bspw. Lehrer_innen, Erzieher_innen, Behördenmitarbeiter_innen, Sozialarbeiter/-pädagog_innen, Ehrenamtler_innen, sowie natürlich auch alle weiteren interessierten Menschen. Die Fachtage sollen theoretisch orientiert sein und zugleich als Plattform für Austausch, Diskussion und Vernetzung der Teilnehmer_innen in Bezug auf die Themen Migration, Interkultur, Integration und Diskriminierung fungieren.

2) Weiterbildungsseminare

In den Jahren 2011 bis 2013 wird es pro Jahr jeweils ein Seminar speziell für die unterschiedlichen Multiplikator_innen geben, die in ihrer professionellen Tätigkeit mit den Themenfeldern Interkultur und Migration in Berührung kommen. Die Teilnehmer_innen werden im Rahmen der von uns angebotenen Weiterbildungen darin geschult, diskriminierende und rassistische Sichtweisen sowie Argumentationsstrukturen aufzudecken und gleichzeitig interkulturelle Kompetenzen aufzubauen bzw. zu verfeinern, die ein gleichberechtigtes Miteinander erst möglich machen. Der Transfer der Angebote erfolgt durch erfahrene Referent_innen und strebt die erfolgreiche Umsetzung der erworbenen Kenntnisse im alltäglichen und beruflichen Leben an.

Methoden & Ansätze

Das eigene Erleben wird zum Ausgangspunkt, sich selbst neue Verständnis– und Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Die Seminare bieten somit die Möglichkeit, das eigene professionelle Handeln qualitativ zu verbessern.
Der Fachtag soll so konzipiert sein, dass die Informationen durch kompetente Referent_innen an die Teilnehmer_innen transferiert werden. Auch wird es Diskussionsmöglichkeiten zu einigen Themen geben.
Die Seminare binden die Teilnehmer_innen praktisch ein. Zum einen machen die TN neue Erfahrungen und reflektieren darüber sich selbst und ihre praktische Arbeit und zum anderen werden praktische Methoden und Ansätze für die eigene Praxis vermittelt.
In den Seminaren wird in Gruppen gearbeitet, welche durch erfahrene Coachs angeleitet und betreut werden.

Vorbereitung & Planung
1) Fachtagungen
Grundsätzliche Idee bei der Konzeptionierung der inhaltlichen Ausrichtung und des Programms der Fachtagung im Rahmen des Projektes „Encuentro“ war es, ein Angebot zu organisieren, welches Multiplikator_innen aus pädagogischen, interkulturellen und antirassistischen (Arbeits-)Zusammenhängen eine kritische Reflexion der eigenen Arbeitspraxis ermöglicht.

Folgende Ziele formulierten wir für eine so ausgerichtete Fachtagung für Multiplikator_innen:

  • Sensibilisierung für Widersprüche und Dilemmata, welche mit pädagogischer und Bildungsarbeit in der Migrationsgesellschaft verbunden sind
  • Sensibilisierung für gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse bzw. Rassismus als gesellschaftlichem Strukturprinzip und Auswirkungen auf die (pädagogische) Praxis
  • Zugewinn von Handlungsfähigkeit für komplexe gesellschaftliche Realitäten durch kritische Selbstreflexion (AG) und mehrdimensionales Denken in der Bildungsarbeit
  • kritische Reflexion der eigenen Arbeitspraxis, Austauschen in Kleingruppen über erwünschte und unintendierte Folgen des eigenen Handelns

Gegenwärtige – politische wie pädagogische – Konzepte betrachten Migration meist eher als Ausnahmezustand denn als Normalität. Dabei sind migrationsgesellschaftliche Realitäten längst Teil des bundesdeutschen Alltags. Auf diese Leerstelle zwischen Theorie und Praxis wollten wir im Rahmen der Fachtagung schauen:

Worin liegen Herausforderungen für Multiplikator_innen, pädagogische Arbeit und Institutionen? Welche Handlungsanforderungen ergeben sich auf dem Weg zu einer gleichberechtigten und barrierefreien Gesellschaft im Sinne von Chancengleichheit, Partizipation, gerechtem Zugang zu Ressourcen und sozialer Anerkennung? Wie ist dies insbesondere im ländlichen Raum umsetzbar, was sind hierbei spezifische „Stolpersteine und Kostbarkeiten“ pädagogischer Arbeit?

Aufgrund schwerlich beeinflussbarer äußerer Faktoren konnte im Rahmen des Projektes „Encuentro“ leider nur eine Fachtagung durchgeführt werden. Geplant und vorbereitet wurde diese zunächst für Oktober 2012, musste dann aufgrund zu geringer Anmeldezahlen aber auf den 03.06.2013 verschoben werden. Das Hochwasser in Sachsen im Juni 2013 führte dann zur erneuten Absage der Tagung, da der Tagungsort nicht erreichbar war.

Ungeachtet dieser Tatsachen erwies sich die Kooperation mit der Fakultät für Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida als sehr gewinnbringend, da wir so sehr viele Student_innen erreichen konnten. Freundlich unterstützt haben uns zudem die Friedrich-Ebert-Stiftung sowie das Herbert-Wehner-Bildungswerk.

2) Weiterbildungsseminare
Ausgangspunkte der Angebotsrecherche und inhaltlich-thematischen Festlegung der einzelnen Seminare waren einerseits eigene Erfahrungen und Perspektiven der Projektmitarbeiter_innen auf aktuell relevante Fragestellungen und Diskurse in der Pädagogik, andererseits in bspw. Netzwerktreffen geäußerte Bedarfe von Multiplikator_innen aus pädagogischen, interkulturellen und antirassistischen (Arbeits-)Zusammenhängen.

Da der Treibhaus e.V. schon seit mehreren Jahren vielseitige Bildungsangebote gestaltet und organisiert, bestanden mehrere Kooperationen zu verschiedenen Bildungsträger_innen und Referent_innen in der Region und bundesweit.

Die verschiedenen Weiterbildungsseminare wurden vor allem mittels der Auslage und Verschickung von Faltblättern an Institutionen der Zielgruppe (z.B. Kitas, Ämter, Schulen, Bildungs- u.a. soziale Einrichtungen), über soziale Medien und die Lokalpresse beworben.

Umsetzung
1) Fachtagung
Vgl. http://www.encuentro-projekt.de/90/articles/fachtagung-von-stolpersteinen-und-kostbarkeiten-paedagogische-arbeit-in-der-migrationsgesellschaft-am-21102013.html

2) Weiterbildungsseminare
Im Rahmen des Projektes „Encuentro“ fanden 4 Weiterbildungsseminare für Multiplikator_innen statt.

  • Weiterbildungsseminar zu vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung (Anti Bias)

Der in den USA und Südafrika entwickelte Anti Bias-Ansatz verfolgt die Vision einer diskriminierungsfreien Gesellschaft. Eine Auseinandersetzung mit Bildern und Stereotypen über "die Anderen" soll dabei helfen, den eigenen Blick auf die Gesellschaft und innerhalb von Arbeits- und Lebenszusammenhängen zu erweitern.

Das Training in Döbeln richtete sich vor allem an Erzieher_innen, Sozialpädagog_innen, Lehrer_innen und andere interessierte Multiplikator_innen. Das Seminar wurde durch Mitarbeiter_innen des Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK) methodisch sehr vielfältig (theoretische und praktische Inputs, Gruppenarbeit, Rollenspiel, Diskussion) gestaltet.

Schwerpunkte:
Themenkomplex 1: Einseitigkeiten und Stereotype – „Anti Bias“
Multiplikator_innen setzen sich mit den Stereotypen und Einseitigkeiten auseinander. Sie lernen den Anti-Bias-Ansatz kennen. Sie werden sensibilisiert für die Wahrnehmung von strukturellen Benachteiligungen in ihrem direkten Arbeitsumfeld.

Themenkomplex 2: Identität
Multiplikator_innen erkunden ihren eigenen kulturellen Hintergrund. Sie lernen das Konzept der „Bezugsgruppenidentität“ kennen und setzen sich damit auseinander. Der Blick für einen möglichen Perspektivenwechsel wird geschärft, indem sie sich mit Mehrheits- und Minderheitserfahrungen auseinandersetzen und sich dem Konzept „Macht“ nähern.

Themenkomplex 3: Auseinandersetzung!
Multiplikator_innen lernen das Modell zur Klärung eines „kulturellen Schocks“ kennen. Dieses soll Ihnen helfen, sich in herausfordernden Kommunikationssituationen zurechtzufinden und von Respekt getragene Lösungen zu entwickeln. Es wird mit eigenen Beispielen der TN gearbeitet.

Themenkomplex 4: Vielfalt in der Gesellschaft
Multiplikator-innen setzen sich mit vorhandener Vielfalt in unserer Gesellschaft auseinander. Dazu gehören Themen wie Mehrsprachigkeit genauso wie Kenntnisse über Migration, Aufenthaltsrechtsbestimmungen oder auch die Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen des Rassismus.


  • Weiterbildungsseminar zu Gewaltfreier Kommunikation

Im September 2012 fand ein Weiterbildungsseminar für Multiplikator_innen der sozialen und Bildungsarbeit zu Gewaltfreier Kommunikation im Töpelwinkel bei Döbeln statt. Dieser hatte insbesondere das Ziel, die Teilnehmer_innen zu befähigen, GFK als ein Instrument der Konfliktbearbeitung einzusetzen, um konstruktiv mit Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten und Herausforderungen im beruflichen und privaten Umfeld umzugehen.

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg gehört zu den weltweit am meist verbreitetsten Methoden der Konflikt- und Krisenbewältigung, der Mediation und der Selbstbehauptung. Im Zentrum steht die Verbindung zu sich selbst und zu anderen Menschen.

Die Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns dabei unsere Gefühle, Ängste und auch unseren Ärger klar und gewaltfrei auszudrücken und zu sagen, was wir wirklich brauchen ohne dabei die Angst zu haben anderer zu verletzen. Was daraus entsteht, ist ein wertschätzender Umgang mit sich selbst und anderen Menschen. Spannungen können abgebaut und Konflikte gelöst werden.

Das Weiterbildungsseminar war sehr partizipativ gestaltet. Die teilnehmenden Multiplikator_innen erhielten so die Gelegenheit, das eigene Verhalten in Konfliktsituationen zu reflektieren und zu lernen, Kommunikationsprozesse neu zu gestalten. Methodisch wurden u.a. Rollenspiele sowie interaktive Theaterübungen eingesetzt. Zudem gab es verschiedene Gelegenheiten, Übungen in Kleingruppen durchzuführen.

Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene kulturelle Konzepte der gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten, um Handlungsspielräume für verschiedene Formen erfahrener Gewalt zu erlangen, Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation bzw. des Wirkens verschiedener gesellschaftlicher Differenzlinien (Gender, Alter usw.)

Das Seminar wurde von einem erfahrenen Teamer der "Mutfabrik Leipzig" angeleitet.

  • Critical Whiteness-Workshop

Unter Anleitung von Natasha A. Kelly fand im Juli 2013 ein Critical Whiteness-Seminar für Multiplikator_innen im Café Courage statt.

Whiteness bzw. Weißsein bezeichnet den als normativ definierten Pol eines binär konstruierten Systems rassistischer Hegemonie, eine Position struktureller Privilegien und Macht sowie einen Wahrnehmung prägenden Erfahrungsmodus. Whiteness ist nicht als kohärentes, stabiles oder zeitloses gesellschaftliches Konstrukt zu analysieren und beschreibt keine „Hautfarbe“, sondern wurde konstruiert, um die Erfindung menschlicher „Rassen“ sichtbar zu machen. Weißsein wird in historischen, gesellschaftlichen, sozialen und politischen Prozessen als flexible Kategorie (re-)produziert und unterliegt einer hergestellten und interpretierten Sichtbarmachung.
Als Widerspruch gegen die unsichtbare Normativität muss eine Markierung von Whiteness erfolgen: Weißsein muss als integraler Bestandteil von Rassifizierungsdynamiken aufgezeigt werden, um so alle Menschen innerhalb der rassistischen Struktur positionieren zu können.

„Warum will ich mich mit Rassismus auseinandersetzen? Welche sozialen Positionierungen gibt es? Welche Privilegierungen und/ oder Deprivilegierungen sind damit verbunden? (Warum) ist es wichtig, sich im Kontext von Rassismus sozial zu positionieren?“ Diesen und anderen Fragen widmete sich der interaktive Workshop am 20.07.2013 im Café Courage in Döbeln. „Rassismus ist ein strukturelles Machtverhältnis, das räumlich, zeitlich und historisch kontextualisiert ist und auf asymmetrischen Machtrelationen basiert, d.h., dass männlich sozialisierte Personen nicht sexistisch diskriminiert werden können und Weiße nicht rassistisch. Rassismus ist für Schwarze Personen soziale Realität und stellt zeitgleich eine weiße Position her, die in rassistischen Kontexten häufig unsichtbar und unbenannt bleibt und dennoch die gesellschaftliche Norm bildet.“

Der Workshop wurde angeleitet durch Natasha A. Kelly, Doktorandin am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Münster und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin; Autorin, Journalistin und Antirassismus-Trainerin.

  • Weiterbildungsseminar „Interkulturelle Arbeit im ländlichen Raum“

Alte Vorstellungen von geschlossenen und voneinander eindeutig abgrenzbaren Nationalkulturen entsprechen nicht (mehr) den heutige gesellschaftlichen Realitäten. Die bundesdeutsche Gesellschaft ist durch eine Vielfalt möglicher Identitäten gekennzeichnet und hat grenzüberschreitende Konturen. Das traditionelle Kulturverständnis scheitert heute an der inneren Differenziertheit und Komplexität der Vielzahl unterschiedlicher Lebensformen und Lebensstile.
Das innovative Konzept der Transkulturalität wird aktuell in wissenschaftlichen Kreisen als viel versprechend für die praktische gesellschaftspolitische Bildungsarbeit bewertet und versucht, diese Veränderung zu beschreiben. Es hebt sich damit ebenso vom klassischen Konzept der Einzelkulturen wie von den neueren Konzepten der Interkulturalität und Multikulturalität ab.

Dennoch sind gängige pädagogische Konzepte und Methoden oft stark beeinflusst von Vorstellungen interkultureller Pädagogik und deren impliziten auf interne Zugehörigkeit und externe Abgrenzung angelegten statischen Kulturbildes, welches meist ethnisch-national orientiert ist.

Das Weiterbildungsseminar „Interkulturelle Arbeit im ländlichen Raum“ wollte Multiplikator_innen der pädagogischen, interkulturellen und Migrationsarbeit insofern Anregungen bieten, sich mit einer neuen Sichtweise auf Kultur/Kulturen, Gemeinschaft, Gesellschaft und Identität, der Frage nach Herkunft, Zugehörigkeit und Integration sowie dem Eigenen und dem Fremden, insbesonere unter dem Fokus der Arbeit in ländlich geprägten Räumen, auseinander zu setzen. Ziel war es, Identitätskonstruktionen und Handlungsorientierungen zu diskutieren, welche aus einem konstanten Wechselspiel von individuellen und kollektiven Faktoren entspringen.

Der Workshop wurde durch einen Mitarbeiter der Fakultät für Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida angeleitet.

Ergebnisse
Die Weiterbildungsseminare wurden durchgehend gut besucht, auch an der Fachtagung im Oktober 2013 nahmen insgesamt etwa 70 Multiplikator_innen (darunter Studierende aus Roßwein, Leipzig, Chemnitz und Dresden; Vertreter_innen aus verschiedenen Institutionen der Jugend-, Migrations- und Antidiskriminierungsarbeit) teil.

Auf unserer Homepage finden Sie zudem eine ausführliche Dokumentation der Fachtagung inkl. Literaturempfehlungen, Abstracts der einzelnen Arbeitsgruppen sowie Audio-Mitschnitte der Fachvorträge: http://www.encuentro-projekt.de/90.html

Grundsätzlich konnten wir uns dem gesetzten Ziel, die Themen Migration, Asylpolitik, Antirassismus stärker in den Mittelpunkt zu rücken, erfolgreich nähern. Gleichzeitig bedarf es in Hinblick auf einen nachhaltigen Sensibilisierungs- und Bewusstseinsprozess natürlich einer längerfristigen und kontinuierlichen Arbeit, die über ein dreijähriges Projekt hinausgeht.

Im Rahmen des Projektes „Encuentro“ fanden 4 Weiterbildungsseminare für Multiplikator_innen statt.

 

  • Weiterbildungsseminar zu vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung (Anti Bias)

 

Der in den USA und Südafrika entwickelte Anti Bias-Ansatz verfolgt die Vision einer diskriminierungsfreien Gesellschaft. Eine Auseinandersetzung mit Bildern und Stereotypen über "die Anderen" soll dabei helfen, den eigenen Blick auf die Gesellschaft und innerhalb von Arbeits- und Lebenszusammenhängen zu erweitern.


Das Training in Döbeln richtete sich vor allem an Erzieher_innen, Sozialpädagog_innen, Lehrer_innen und andere interessierte Multiplikator_innen. Das Seminar wurde durch Mitarbeiter_innen des Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. (ZEOK) methodisch sehr vielfältig (theoretische und praktische Inputs, Gruppenarbeit, Rollenspiel, Diskussion) gestaltet.

 

Schwerpunkte:

 

Themenkomplex 1: Einseitigkeiten und Stereotype – „Anti Bias“

Multiplikator_innen setzen sich mit den Stereotypen und Einseitigkeiten auseinander. Sie lernen den Anti-Bias-Ansatz kennen. Sie werden sensibilisiert für die Wahrnehmung von strukturellen Benachteiligungen in ihrem direkten Arbeitsumfeld.


Themenkomplex 2: Identität

Multiplikator_innen erkunden ihren eigenen kulturellen Hintergrund. Sie lernen das Konzept der „Bezugsgruppenidentität“ kennen und setzen sich damit auseinander. Der Blick für einen möglichen Perspektivenwechsel wird geschärft, indem sie sich mit Mehrheits- und Minderheitserfahrungen auseinandersetzen und sich dem Konzept „Macht“ nähern.


Themenkomplex 3: Auseinandersetzung!

Multiplikator_innen lernen das Modell zur Klärung eines „kulturellen Schocks“ kennen. Dieses soll Ihnen helfen, sich in herausfordernden Kommunikationssituationen zurechtzufinden und von Respekt getragene Lösungen zu entwickeln. Es wird mit eigenen Beispielen der TN gearbeitet.


Themenkomplex 4: Vielfalt in der Gesellschaft

Multiplikator-innen setzen sich mit vorhandener Vielfalt in unserer Gesellschaft auseinander. Dazu gehören Themen wie Mehrsprachigkeit genauso wie Kenntnisse über Migration, Aufenthaltsrechtsbestimmungen oder auch die Auseinandersetzung mit Erscheinungsformen des Rassismus.

 

  • Weiterbildungsseminar zu Gewaltfreier Kommunikation

 

Im September 2012 fand ein Weiterbildungsseminar für Multiplikator_innen der sozialen und Bildungsarbeit zu Gewaltfreier Kommunikation im Töpelwinkel bei Döbeln statt. Dieser hatte insbesondere das Ziel, die Teilnehmer_innen zu befähigen, GFK als ein Instrument der Konfliktbearbeitung einzusetzen, um konstruktiv mit Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten und Herausforderungen im beruflichen und privaten Umfeld umzugehen.

 

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg gehört zu den weltweit am meist verbreitetsten Methoden der Konflikt- und Krisenbewältigung, der Mediation und der Selbstbehauptung. Im Zentrum steht die Verbindung zu sich selbst und zu anderen Menschen.


Die Gewaltfreie Kommunikation unterstützt uns dabei unsere Gefühle, Ängste und auch unseren Ärger klar und gewaltfrei auszudrücken und zu sagen, was wir wirklich brauchen ohne dabei die Angst zu haben anderer zu verletzen. Was daraus entsteht, ist ein wertschätzender Umgang mit sich selbst und anderen Menschen. Spannungen können abgebaut und Konflikte gelöst werden.

 

Das Weiterbildungsseminar war sehr partizipativ gestaltet. Die teilnehmenden Multiplikator_innen erhielten so die Gelegenheit, das eigene Verhalten in Konfliktsituationen zu reflektieren und zu lernen, Kommunikationsprozesse neu zu gestalten. Methodisch wurden u.a. Rollenspiele sowie interaktive Theaterübungen eingesetzt. Zudem gab es verschiedene Gelegenheiten, Übungen in Kleingruppen durchzuführen.

 

Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene kulturelle Konzepte der gewaltfreien Bearbeitung von Konflikten, um Handlungsspielräume für verschiedene Formen erfahrener Gewalt zu erlangen, Besonderheiten der interkulturellen Kommunikation bzw. des Wirkens verschiedener gesellschaftlicher Differenzlinien (Gender, Alter usw.)


Das Seminar wurde von einem erfahrenen Teamer der "Mutfabrik Leipzig" angeleitet.

 

 

  • Critical Whiteness-Workshop

 

Unter Anleitung von Natasha A. Kelly fand im Juli 2013 ein Critical Whiteness-Seminar für Multiplikator_innen im Café Courage statt.

 

Whiteness bzw. Weißsein bezeichnet den als normativ definierten Pol eines binär konstruierten Systems rassistischer Hegemonie, eine Position struktureller Privilegien und Macht sowie einen Wahrnehmung prägenden Erfahrungsmodus. Whiteness ist nicht als kohärentes, stabiles oder zeitloses gesellschaftliches Konstrukt zu analysieren und beschreibt keine „Hautfarbe“, sondern wurde konstruiert, um die Erfindung menschlicher „Rassen“ sichtbar zu machen. Weißsein wird in historischen, gesellschaftlichen, sozialen und politischen Prozessen als flexible Kategorie (re-)produziert und unterliegt einer hergestellten und interpretierten Sichtbarmachung.

Als Widerspruch gegen die unsichtbare Normativität muss eine Markierung von Whiteness erfolgen: Weißsein muss als integraler Bestandteil von Rassifizierungsdynamiken aufgezeigt werden, um so alle Menschen innerhalb der rassistischen Struktur positionieren zu können.

 

Warum will ich mich mit Rassismus auseinandersetzen? Welche sozialen Positionierungen gibt es? Welche Privilegierungen und/ oder Deprivilegierungen sind damit verbunden? (Warum) ist es wichtig, sich im Kontext von Rassismus sozial zu positionieren?“ Diesen und anderen Fragen widmete sich der interaktive Workshop am 20.07.2013 im Café Courage in Döbeln. „Rassismus ist ein strukturelles Machtverhältnis, das räumlich, zeitlich und historisch kontextualisiert ist und auf asymmetrischen Machtrelationen basiert, d.h., dass männlich sozialisierte Personen nicht sexistisch diskriminiert werden können und Weiße nicht rassistisch. Rassismus ist für Schwarze Personen soziale Realität und stellt zeitgleich eine weiße Position her, die in rassistischen Kontexten häufig unsichtbar und unbenannt bleibt und dennoch die gesellschaftliche Norm bildet.“

 

Der Workshop wurde angeleitet durch Natasha A. Kelly, Doktorandin am Institut für Kommunikationswissenschaften der Universität Münster und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt Universität zu Berlin; Autorin, Journalistin und Antirassismus-Trainerin.

 

 

  • Weiterbildungsseminar „Von der inter- zur transkulturellen Kompetenz“

 

Alte Vorstellungen von geschlossenen und voneinander eindeutig abgrenzbaren Nationalkulturen entsprechen nicht (mehr) den heutige gesellschaftlichen Realitäten. Die bundesdeutsche Gesellschaft ist durch eine Vielfalt möglicher Identitäten gekennzeichnet und hat grenzüberschreitende Konturen. Das traditionelle Kulturverständnis scheitert heute an der inneren Differenziertheit und Komplexität der Vielzahl unterschiedlicher Lebensformen und Lebensstile.

Das innovative Konzept der Transkulturalität wird aktuell in wissenschaftlichen Kreisen als viel versprechend für die praktische gesellschaftspolitische Bildungsarbeit bewertet und versucht, diese Veränderung zu beschreiben. Es hebt sich damit ebenso vom klassischen Konzept der Einzelkulturen wie von den neueren Konzepten der Interkulturalität und Multikulturalität ab.

 

Dennoch sind gängige pädagogische Konzepte und Methoden oft stark beeinflusst von Vorstellungen interkultureller Pädagogik und deren impliziten auf interne Zugehörigkeit und externe Abgrenzung angelegten statischen Kulturbildes, welches meist ethnisch-national orientiert ist.

 

Das Weiterbildungsseminar „Von der inter- zur transkulturellen Kompetenz“ wollte Multiplikator_innen der pädagogischen, interkulturellen und Migrationsarbeit insofern Anregungen bieten, sich mit einer neuen Sichtweise auf Kultur/Kulturen, Gemeinschaft, Gesellschaft und Identität, der Frage nach Herkunft, Zugehörigkeit und Integration sowie dem Eigenen und dem Fremden auseinander zu setzen. Ziel war es, Identitätskonstruktionen und Handlungsorientierungen zu diskutieren, welche aus einem konstanten Wechselspiel von individuellen und kollektiven Faktoren entspringen.

 

Der Workshop wurde durch einen Mitarbeiter der Fakultät für Soziale Arbeit der Hochschule Mittweida angeleitet.

Zurück

© 2011 cmykey - Grafikdesign und Beratung