Die Interkulturelle Filmwoche war zum Zeitpunkt der Antragstellung Bestandteil des Projektmoduls „Bausteine einer demokratischen und interkulturellen Bildungsreihe“. Angesichts des Umfangs und der Abgrenzbarkeit hinsichtlich Methoden und Inhalten führen wir sie hier gesondert auf. Die unter dem Punkt „Konzept und Ziele“ genannten Ziele beziehen sich insofern sowohl auf die Bildungsveranstaltungen, als auch auf die interkulturelle Filmwoche.

Konzept und Ziele zum Zeitpunkt der Antragstellung
Das Modul „Demokratische und interkulturelle Bildungsreihe“ soll ein kontinuierliches und vielseitiges Bildungsangebot zu den Themen Migration und Interkulturalität sein. Die Angebotsformate reichen von der klassischen Bildungsveranstaltung am Abend über Seminare/Trainings bis hin zur medialen Verarbeitung genannter Themenkomplexe. Damit sollen verschiedene Altersgruppen besser erreicht werden, aber auch verschiedene soziale Backgrounds Berücksichtigung finden.

Mit dem Ziel der medialen Aufarbeitung der genannten Kernthemen mittels des Mediums Film ist ab 2012 eine „Interkulturelle Filmwoche“ geplant, die vielseitige und thematisch vielfältige Filme (Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentationen) aus verschiedenen Kulturen anbieten möchte. Über das Medium Film können sowohl kulturelle Besonderheiten als auch interkulturelle Problemfelder intensiv thematisch aufgearbeitet werden und zu Auseinandersetzungen und Diskussionen anregen. Genau dies soll im Anschluss an die Filme geschehen. Wenn möglich, können und sollen auch Filmemacher_innen kleinerer Produktionen eingeladen werden. Gut wäre auch eine Zusammenarbeit mit Kino, Theater, Bibliothek oder mit anderen etablierten Kultureinrichtungen. Wichtig wäre, Aufführungen an verschiedenen Orten stattfinden zu lassen, um verschiedenes Publikum zu erreichen.

Vorbereitung & Planung
Anders als zum Zeitpunkt der Antragstellung geplant, führten wir 2012 aus verschiedenen Gründen anstatt einer Filmwoche zwei thematische Einzelveranstaltungen durch, in deren Rahmen wir einen sich in den oben genannten Themenschwerpunkten verorteten Film zeigten und Filmemacher_innen bzw. Referent_innen zu im Film aufgeworfenen Fragen einluden. Bei beiden Veranstaltungen handelte es sich um einführende Bildungsveranstaltungen.

Im Rahmen der Konzeptionierung der inhaltlichen Angebote der interkulturellen Filmwoche 2013 war es uns wichtig, dass sich sowohl einführende, als auch vertiefende Veranstaltungen wiederfinden, da wir ein möglichst breites Publikum ansprechen wollten. Aufgrund der thematischen Übereinstimmung und der so verbesserten Erreichbarkeit der Zielgruppe entschieden wir uns, die interkulturelle Filmwoche mit dem selbstorganisierten Festival „La Libertad“ in Gersdorf bei Döbeln, welches 2013 „Migration und Rassismus“ als Schwerpunktthema deklariert hatte, zu verbinden.

Umsetzung
1) Interkulturelle Filmveranstaltungen 2012
Im Juli 2012 lud das Projekt Encuentro des Treibhaus e.V. zu einer Vorführung des Films „Working on it!“ mit anschließendem Gespräch mit der Filmemacherin Karin Michalski ein.

Die Filmemacher_innen Karin Michalski und Sabina Baumann führten mit 15 Darsteller_innen Gespräche über ihre Beobachtungen im Alltag: Was heißt es, in öffentliche Bilder von Sexualität und Weißsein einzugreifen, eine neue Sprache für mehr als zwei Geschlechter zu erfinden oder am Arbeitsplatz Abwertungen sexueller Identität zu wenden? Ein Jahr später treffen sich alle Beteiligten in einem ehemaligen Supermarkt in Berlin, den sie mit thematischen Settings ausstatten und als Treffpunkt einrichten. Die Interviews werden im Raum projiziert und sind Anlass für Diskussionen, Performances und weitere kulturelle Produktionen.

Für eine anregende und spannende Diskussion war Karin Michalski, eine der Filmemacher_innen, zu Gast im Café Courage. Zudem ist ein CourageRadio-Beitrag zur Veranstaltung und den bearbeiteten Themen entstanden, der unter treibhausradio.jimdo.com angehört werden kann.

Im Dezember 2012 zeigten wir eine Dokumentation zu den rassistischen Brandanschlägen in Mölln: am 23. November 1992 legen Neonazis in Mölln einen Brand im Haus der türkischstämmigen Familie Arslan. Drei Familienangehörige kommen in den Flammen ums Leben. Die anderen können sich aus dem Haus retten - darunter auch der damals siebenjährige Ibrahim und seine Mutter Hava. Der Vater, Faruk Arslan, erreicht den Unglücksort erst, als nur noch die verheerenden Folgen des Brandanschlags zu erkennen sind: Seine Mutter, seine kleine Tochter und seine Nichte sind dem Brand zum Opfer gefallen.
Die Regisseurin Malou Berlin hat die Familie Arslan vier Jahre lang bei dem Versuch begleitet, einen eigenen Weg zwischen Trauer und Trauma und dem Wunsch nach einer unbekümmerten Gegenwart zu finden. Der Film zeichnet ein persönliches Portrait der Überlebenden des Anschlags, ihrem Umgang mit dem Verlust ihrer Angehörigen, ihren Träumen und Wünschen. "Nach dem Brand" ist das Porträt einer Familie, die 20 Jahre nach dem Anschlag noch immer mit den Folgen der erlebten Gewalt ringt und an der Sinnlosigkeit ihres Verlustes zu scheitern droht.

Ein Vertreter der Rassismus tötet!-Kampagne stellte in seinem begleitenden Vortrag die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe des Anschlags sowie aktuelle Konjunktionen rassistischer Gewalt dar und diskutierte mit den Teilnehmer_innen, inwiefern sich das gesellschaftliche Klima geändert hat und welche Interventionsmöglichkeiten denkbar sind.

2) Interkulturelle Filmwoche 2013
Wie bereits beschrieben, fand die interkulturelle Filmwoche in enger Verbindung mit dem selbstorganisierten Festival „La Libertad“ statt. Dadurch war es möglich, eine Vielzahl von Begleitveranstaltungen zu organisieren und unsere Zielgruppe sehr gut erreichen zu können.

Unter http://www.encuentro-projekt.de/88/articles/interkulturelle-filmwoche-12-18-082013.html finden Sie eine Auflistung der Veranstaltungen, die im Rahmen der Themenwoche Migration stattgefunden haben. Alle Veranstaltungen wurden im Rahmen des Projektes „Encuentro“ durchgeführt bzw. durch Unterstützung der Projektmitarbeiter_innen organisiert. Diese Angebote hatten den Anspruch, das Thema begleitend durch unterschiedliche methodische Ansätze aufzuarbeiten, zu diskutieren und transparenter zu machen. Konkret haben wir versucht, einführende Filme zu zeigen, welche thematisch zum Workshopthema des nächsten Tages hinleiteten.

Ergebnisse
Die einzelnen Veranstaltungen, welche sowohl als Einzel- als auch als Veranstaltungsreihe im Rahmen der interkulturellen Filmwoche stattfanden, wurden durchgehend sehr gut besucht. Insbesondere hat sich die Verknüpfung der Filmwoche mit dem selbstorganisierten Festival „La Libertad“ und den damit verbundenen Strukturen vor Ort als sehr günstig erwiesen.
Mit den verschiedenen Angeboten konnten wir ein breites Altersspektrum erreichen. Die einzelnen Veranstaltungen wurden von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, aber auch von älteren Teilnehmer_innen besucht. Durch die parallel stattfindenden Vernetzungsangebote konnten wir auch viele Multiplikator_innen und in der Antirassismus- und Solidaritätsarbeit mit Asylsuchenden engagierte Initiativen erreichen.
Zudem hat sich das Konzept, mit einem einführenden Film einen vertiefenden Workshop oder Vortrag am Folgetag einzuleiten,  angesichts der kontinuierlich hohen Teilnehmer_innen-Zahlen sehr bewährt.

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